Ich bin eher aus Versehen zum 3D-Druck gekommen, als mir ein Freund einen billigen, leicht verfluchten Anet A8 verkauft hat. Der hat lange Zeit in einer selbstgebauten Einhausung in einer Schublade unter meinem Bett gelebt und beinhaltet einige Kilo Filament in Custom-Parts und Upgrades. Mit diesem alles-andere-als-zuverlässigen Drucker zu arbeiten und ihn zu debuggen hat mich zwar einen Haufen Nerven und einen spürbaren Teil meiner Lebenszeit gekostet, war aber auch extrem wertvoll, weil ich die Kiste inzwischen in- und auswendig kenne. Durch die Start-Hürden und unzählige Troubleshooting-Sessions habe ich heute ein ziemlich tiefes Verständnis von jedem einzelnen Bauteil. In den ersten Monaten ist easily jeder zweite Print fehlgeschlagen es gab immer irgendwas zu fixen… aber am Ende des Tages hat so ein 3D-Drucker nur endlich viele bewegliche Teile, also ist auch die Menge an Dingen, die kaputtgehen können, endlich - und ich bin ziemlich sicher, ich habe dieses Limit erreicht. Mit meiner eigenen Marlin- und OctoPrint-Customization und nachdem ich im Laufe der Jahre im Grunde jedes Stück Hardware irgendwann upgegradet, ersetzt oder neu gedruckt habe, habe ich diese anstrengende Maschine nach und nach in ein größtenteils zuverlässiges Tool verwandelt. Die vielen Modifikationen und Upgrades haben zu einem stabilen Setup geführt, das inzwischen einfach funktioniert, und ich bin zufrieden damit. Irgendwann ist die Mechanik von einem Pflegefall zu einfach einem Tool geworden, das ich benutze.

Heute passiert das meiste Drucken auf einem Bambu P1S, der eher das ist, was ich inzwischen brauche: einfach ein Tool im Arsenal, das seinen Job macht, während ich mich auf das Design der Teile, das CAD und den Rest des Projekts konzentrieren kann.

Ich nutze 3D-Druck für so ziemlich jedes physische Projekt, das man auf dieser Seite sehen kann: Enclosures, Mounts, Brackets, kleine One-Off-Adapter, die dann irgendwie jahrelang im Einsatz bleiben und, well, den Großteil der Hardware. Mein Thingiverse-Profil ist leider immer noch ziemlich leer, aber in der Praxis sind gedruckte Teile überall.

CAD habe ich mir unterwegs selbst beigebracht und es ist ein großer Teil dessen geworden, was mich zum Maker macht. Ich denke mir etwas aus, merke was an Hardware fehlt, öffne Blender, designe es, drucke das Ding, und weiter gehts. Auf der CAD-Seite wechsel ich zwischen Blender und SketchUp wenn ich auf Linux bleiben will, Fusion 360 auf Windows, und OpenSCAD, wenn Sachen wirklich parametrisch sein sollen. Ich bin nicht der Typ, der random Deko-Kram aus dem Internet runterlädt - Plastik ist schon schlimm genug, daher nutze ich es hauptsächlich für funktionale Teile: Enclosures, Organizer, LED- und Sensor-Mounts, Brackets, Jigs, und gelegentlich einen hübschen Lampenschirm oder Lithophan, wenn ich es cool finde.

Auch wenn ich gern eigene Design Objekte oder sowas baue, kombiniere ich 3D-Druck meistens mit meiner Begeisterung für Elektronik und designe Enclosures für meine Elektronikprojekte. In neueren Builds wie Tux-Kart with Real-Life Powerups und den Relay-Boxes ist ein Großteil des physischen Klebers zwischen Elektronik und festivaltauglicher Installation gedruckt: Gehäuse um die Relais-Elektronik, Halterungen für Nebelrohre und Water-Spritzer, Waagen-Mounts, Lenkrad-Adapter, und all die kleinen Bits, die das Ganze an irgendein Holz oder Metall befestigen das gerade vor Ort verfügbar war.

Inzwischen sind die Drucker einfach Infrastruktur. Nachdem ich meine mechanischen und Firmware-Lektionen auf dem Anet A8 gelernt habe, ist 3D-Druck einfach das, wonach ich greife, wenn eine Hardware-Idee von “Hack” zu robust, montierbar und sleek werden soll, ohne dafür Wochen zu verbrennen.


Ein paar Projekte darunter (mehr auf englisch!)

Das Raumschiff der Palapians

Das Raumschiff der Palapians

Ein interaktives, vernetztes Raumschiff, das man wirklich betreten kann: Spieler*innen erledigen (oder sabotieren) Missionen an einem Dutzend physischer Interfaces - Knöpfe, Joysticks, LED-Boards, Sensoren usw. - um entweder das Schiff zu starten oder es dem Untergang zu weihen. Alles getrieben von einem Python/ESP/Unity-Stack. Es ist modular, auto-resettet regelmäßig und skaliert für Festival-Crowds ohne permanentes Babysitting.

Tux-Kart mit Real-Life-Powerups

Tux-Kart mit Real-Life-Powerups

Festival-Installation, bei der zwei Spielende OSS-Mariokart spielen, aber statt Koopas spritzen die In-Game-Items Wasser oder Nebel in Richtung Gegner*in oder hauen mit dem Poolnudelschlagapparat zu.