Dieses Jahr wurde unser Walden-Floor auf dem Zugvögel Festival zu Santo Nido: einer Kirche für eine Phönix-Sekte. Bunte Kirchenfenster, heilige Vögel, ein KI-Beichtstuhl und eine Turmuhr, die zur Musik völlig durchdreht. Jede Menge religiöser Quatsch und unglaublich viel Liebe zum Detail.
Eine Kirche bauen
Wir waren eine Crew von 20 Leuten, und ich habe vier Wochen vor Ort mitgebaut. Als Co-Bauleiter war ich an der Planung der Kirche beteiligt und habe einen großen Teil davon mit aufgebaut. Aus dem letzten Jahr hatten wir gelernt und setzten wieder auf „Quadratisch, Praktisch, Gut“: eine einfache Grundkonstruktion, die schnell steht, damit mehr Zeit für all die schönen kleinen Details bleibt.
Und genau das liebe ich an unserer Crew: Wie unterschiedlich wir alle arbeiten und wie gut am Ende alles zusammenkommt. Zwei professionelle Freskenmalerinnen haben die Fassade bemalt, und holy shit, wir waren völlig hin und weg. Ein anderes Crewmitglied hat die Details der Fassade anschließend mit Projektionen gemappt und sie nachts zum Leben erweckt. Jemand anderes hat sechs riesige Kirchenfenster und eine Fensterrose gebaut, die die Geschichte unseres Phönix erzählen, mit Markern, Heißkleber und Acrylfarbe. Dazu ein nebelspuckender Phönix vor der Kirche, ein weiterer leuchtender hinter dem DJ, eine interaktive Wippe und eine Synthesizer-Orgel … So viele unterschiedliche Lieblingsprojekte, die am Ende zu einem gemeinsamen Floor werden.
Dumme Lichter smart machen
Als die Grundkonstruktion stand, habe ich mich um die schönen kleinen Lichter gekümmert: Fackeln, viktorianische Straßenlaternen, Fensterbeleuchtung und so weiter. Die haben wir über WLED oder meine Relaisboxen in unser Netzwerk eingebunden. Außerdem habe ich bei der Programmierung dieser Beleuchtung und des Bühnenlichts in TouchDesigner mitgeholfen, unter Einsatz von MIDI-Pads und einem Art-Net-Node. Während des Festivals habe ich dann auch viel Zeit am VJ-Pult verbracht und live weitere Effekte programmiert.
Mein liebstes kleines Beispiel ist unser Weihrauchfass. Wir hatten ein Ding, das genauso aussah wie ein kirchliches Weihrauchfass. Ein Schlauch von einer kleinen Nebelmaschine dazu, ein Motor, den ich mir vom Poolnudelschlagapparat ausgeliehen habe, und schon hatten wir ein schwingendes, rauchendes Weihrauchfass, das sich vom VJ-Pult aus steuern ließ. Ich liebe es, dumme Dinge smart zu machen.

Eine Uhr, die völlig durchdreht
Eine Kirche braucht natürlich eine Turmuhr, und ich wollte schon seit Ewigkeiten eine riesige Party-Uhr bauen. Mein noch laufendes Projekt einer achtzeigrigen Weasley-Uhr war der perfekte Vorwand, das endlich umzusetzen.
Unsere Uhr hat einen Durchmesser von 80 cm, 3D-gedruckte Zeiger und ein 3D-gedrucktes Getriebe, einen RGBW-NeoPixel-Ring und einen per Ethernet angebundenen ESP, der vom VJ-Pult aus gesteuert wird.
Die Uhr ist vollständig steuerbar: Sie kann ganz normal vorwärts oder rückwärts laufen, mit dem korrekten Übersetzungsverhältnis zwischen Stunden- und Minutenzeiger. Oder beide Zeiger drehen unabhängig voneinander völlig durch, während der LED-Ring alles von gemütlichem Lichterfunkeln bis zu wilden Stroboskopeffekten macht.
Wir haben sogar die BPM der Musik ins Netzwerk übertragen, sodass die Uhr draußen die Energie der Musik drinnen widerspiegeln konnte. Meistens haben wir sie allerdings manuell gesteuert, weil das einfach mehr Spaß gemacht hat. Ich bin unglaublich stolz darauf, wie gut das Ding geworden ist.
Und ein Beichtstuhl
Mein zweites großes Projekt war der KI-Beichtstuhl. Den wunderschönen hölzernen Beichtstuhl haben wir unter meiner Leitung gemeinsam gebaut, während ich die Hardware und Software entwickelt habe.
Die Hardware hat sich während der Bauphase immer weiterentwickelt, und ich war selbst überrascht, wie schnell ich die Software mithilfe von Vibe-Coding zusammenbauen konnte. Als Grundlage diente mir die Codebasis meines Palapa-Raumschiffs.
Der KI-Priester und sein etwas fragwürdiger Umgang mit Beichten haben einen eigenen Portfolioeintrag verdient.

In diesem Floor steckt unglaublich viel von mir, weit über diese beiden Projekte hinaus. Wir waren alle wahnsinnig stolz auf das Ergebnis, haben unglaublich viele schöne Komplimente bekommen und Walden war wieder rappelvoll. Vielleicht brauchen wir nächstes Jahr eine größere Kirche.